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Der „verrückte“ Granitler

Wieder einmal hat Faruk Bär eine echte Herausforderung gemeistert. Der Waldsteiner Radsportler darf sich nun Mitglied im „Club des Cinglés“ (Club der Verrückten) nennen. Voraussetzung hierfür ist, dass man nachweislich die drei möglichen Auffahrten des Mont Ventoux innerhalb von 24 Stunden gefahren ist. Die Strecke beläuft sich auf etwa 140 km, davon die Hälfte bergauf, und zu bewältigen sind ca. 4.400 Höhenmeter.

Der Mont Ventoux, übersetzt „windiger Berg“, Beiname „Gigant der Provence“, gehört zu den anspruchsvollsten Bergen Frankreichs und zugleich zu den bekanntesten Anstiegen der Tour de France, wobei er im Jahr 1967 traurige Berühmtheit erlangte, als der Brite Tom Simpson eineinhalb Kilometer vor der Bergspitze erschöpft zusammenbrach und wenig später an der Unglücksstelle verstarb. 1.909 Meter über dem Meeresspiegel gelegen ist der Gipfel einer der wenigen Orte, von denen man bei gutem Wetter gleichzeitig das Mittelmeer und die höchsten Gipfel der Alpen und Pyrenäen sehen kann.

Da die Challenge ganzjährig gemacht werden kann, gibt es keine festen Kontrollpunkte. Als Anwärter auf den „Club des Cinglés du Mont Ventoux“ bekommt man bei der Anmeldung eine Art Wimpel, den man am Rad befestigen muss und sich dadurch erkenntlich macht, und eine Stempelkarte, welche am Ende ausgefüllt als Nachweis dient. Auf dem Gipfel und nach jeder Abfahrt gilt es also, einen Stempel zu sammeln. Diese kann man sich z.B. beim Bäcker, in Restaurants oder im Tourismusbüro holen. Drei Auffahrten sind zu bewältigen: die Ostauffahrt von Sault ("Die Mildeste", 25,4 km, ca. 1.214 Hm), die Südauffahrt von Bédoin, ("Die Legende", 21,2 km, ca. 1.600 Hm) und die Westauffahrt von Malaucène ("Die Anspruchsvolle", 21,1 km, ca. 1.576 Hm).

Entgegen allen Ratschlägen, sich die „milde“ Auffahrt für den Schluss aufzuheben, startete Faruk kurz vor 7 Uhr morgens in Sault am französischen Nationalfeiertag, 14.07.2026, mit eben dieser. Schnell erreichte er den Gipfel und noch schneller das Tal in Bédoin. Auf der berühmtesten Route, der Südauffahrt, die Faruk um kurz nach 10 Uhr in Angriff nahm, sind Massen an Radfahrern unterwegs, was den Status und die Bekanntheit dieses Berges im Breiten- und Leistungsradsport erkennen lässt. Berüchtigt ist die Strecke durch einen 10 km langen, sehr steilen Waldabschnitt und der anschließenden kargen Steinwüste bis zum Gipfel, besonders fordernd bei Wind und Hitze.

Viele wissen von der Herausforderung der Club-Anwärter, feuern die „Wimpelträger“ entsprechend an und zollen Anerkennung, was Faruk als sehr motivierend empfand. Um die Mittagszeit erreichte er erneut die Spitze, hatte einen guten Rhythmus gefunden und war guter Dinge, doch die Außentemperatur hatte inzwischen 35°C überschritten. Nach einer kurzen Verpflegungspause incl. Auffüllen von Trinkrucksack und -flaschen ging es den Berg wieder hinunter.

Immer weniger Radfahrer begegneten Faruk nun und nach der Abfahrt sowie dem nächsten Stempel stand also zu guter Letzt der Anstieg von Malaucène an, der durch die unregelmäßigere Steigung als fahrtechnisch noch anspruchsvoller gilt. Vor allem im letzten Teil nach dem Skigebiet Mont Serein erwarten die Fahrer sehr steile Rampen.

Am Beginn der Steigung kurz hinter dem Ortsende kamen Faruk die letzten Radfahrer entgegen. „Nun war ich für Stunden absolut alleine.“ Das Thermometer hatte mittlerweile die 40-Grad-Marke geknackt und die ersten Krämpfe traten auf. „Es begann eine meiner schwersten Zeiten auf dem Rad“, berichtet Faruk. „Mir blieb, um nicht stehen zu bleiben, nichts anderes übrig, als abwechselnd zu fahren und zu schieben, um andere Muskeln zu beanspruchen.“ Eine unglaubliche Willensanstrengung, nicht aufzugeben und immer weiterzumachen.

Fünf Kilometer vor dem Gipfel suchte er in einer Gaststätte kurz etwas Ruhe und Schatten, aber um die Motivation nicht zu verlieren, brach er recht schnell wieder auf. Wenig später hatte er den höchsten Punkt an diesem Anstieg erstmals vor Augen, was ihn anspornte, sich weiter nach oben zu quälen. Nach mehr als dreieinhalb Stunden hatte der Weißdorfer auch den dritten Anstieg bewältigt und musste „nur noch“ zurück ins Tal rollen.

Faruks Radcomputer attestierte ihm im Ziel knapp 8.000 verbrannte Kalorien sowie einen Schweißverlust von etwa zwölf Litern bei einer Durchschnittstemperatur von 39 Grad und schlug eine Ruhezeit von 5 Tagen vor. Seine Gesamtfahrzeit lag unter 12 Stunden, aber er hatte es niemals so schwer erwartet. „Ich bin eines Besseren belehrt worden – aber Grenzen sind verschiebbar.“

Herzlichen Glückwunsch zu dieser außergewöhnlichen Leistung, Faruk!

Er würde die Tortur noch einmal wiederholen, aber zu einer anderen Zeit. Zudem gäbe es noch eine Steigerung dieser Aktion: man fährt das Ganze innerhalb von 24 Stunden doppelt, also jede Seite des Berges zwei Mal hoch und wieder runter, aber tatsächlich gibt es noch nicht viele Sportler, die das geschafft haben.

 

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Mittwoch, 19. August 2026

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